Hauptsache gesund…

Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich mich mal einem etwas ernsterem Thema widmen: dem Gesundheitssystem der USA.
Ich selbst habe damit in den letzten Monaten viel zu tun gehabt, aber auch ein Vortrag den ich gehört habe, hat diesbezüglich sehr gute Einblicke gewährt.

Kurz ein paar Fakten:
In den USA sind 85% der Bevölkerung krankenversichert. Davon 55% über den Arbeitgeber, der Rest setzt sich aus Veteranen-, Armen- und Pensionärversicherungen zusammen. Die übrigen 15%, die nicht versichert sind, machen immerhin 48 Mio. Menschen aus.
Das US-Gesundheitswesen ist hauptsächlich privatwirtschaftlich organisiert. Das heißt, jedes Krankenhaus, jeder Arzt, jede nicht staatliche Versicherung kann eigene Preise und Bedingungen wählen. Die Kompetenzen der Regierung sind sehr beschränkt.
Das US Gesundheitswesen ist das teuerste der Welt. Dies hat mehrere Gründe: zum einen sind die Preise deutlich höher als in anderen Ländern (z.B. Blinddarmoperation: USA = 13.000 $, Deutschland = 3,100$). Zum anderen gibt es hier sehr viel Medizintechnik, die auch deutlich häufiger zum Einsatz kommt. Aber auch Fehlsteuerungen sind ein Grund – z.B. dass durch unzureichende Vorsorge, akute Fälle sehr häufig in der Notaufnahme landen, was die teuerste Versorgung bedeutet. Zudem belasten sehr hohe Schadensersatzforderungen bei ärztlichen Fehlern die Ärzteschaft, die die Kosten dann an den Patienten weitergeben.
Durch die Gesundheitsreform, die Obama in Gang gebracht hat, soll sich die Gesamtsituation verbessern. Inwieweit dies gelingt bleibt abzuwarten. Zumindest hat Obama es geschafft, woran vorher 7 Präsidenten gescheitert sind: eine Änderung des Gesetzes zugunsten einer allgemeinen Krankenversicherung. Auf die Details einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen. Im Internet findet sich aber einiges im Zusammenhang mit „Obamacare“. Wer mehr über das Gesundheitssystem der USA wissen möchte, kann sich den Artikel von Steven Brill: „Why Medical Bills Are Killing Us“, Time-Magazine 4. März 2013, ansehen.

Meine persönlichen Erfahrungen können die obigen Punkte nur unterstreichen. Vor allem in einem Punkt: jede Behandlung hier ist unglaublich teuer. Ein normaler Arztbesuch mit Handschlag und 5 Minuten Gespräch kostet direkt 500 $. Und obwohl wir – nach deutschem Recht – versichert sind, werden wir hier als „Self-Pay“(selbst zahlende)- Patienten geführt. Was in Deutschland als Privileg behandelt wird (Privatpatient), ist hier ein Risikofaktor und wird mit noch höheren Rechnungen und zum Teil Vorauszahlungen „belohnt“. Zum Beispiel verlangen Krankenhäuser einen Mindestabschlag im Voraus, wenn eine Operation oder ein geplanter Aufenthalt ansteht. Keine Kreditkarte – keine Behandlung. So einfach ist das.
Auch die Kosten für Arzneimittel variieren hier sehr stark: Eine Bekannte, die eine spezielle Hautcreme brauchte, hat für das erste Rezept ca. 60 $ bezahlt. Beim zweiten Besuch in der gleichen Apotheke, wollte diese dann 200 $ für die Creme haben. Völlig erschrocken über diese Preissteigerung hat sie sich an ihre amerikanischen Nachbarn gewandt. Diese gaben ihr den Tipp, das Rezept zu googeln und Coupons von den einzelnen Apotheken zu vergleichen. Zum guten Schluss wurde ihr das Produkt dann für knapp 20 $ in einer anderen Apotheke angeboten.

Ich muss gestehen, zu Anfang in diesem Land hat mich das alles ziemlich belastet – vor allem die Suche nach einem geeigneten Arzt war eine Odyssee für mich. Sobald das Wort „Self-Pay“ auch nur ausgesprochen war, musste plötzlich erst einmal geprüft werden, ob überhaupt Anspruch auf eine Behandlung gewährt werden konnte. Das hat mich doch ganz schön aus der Bahn geworfen. Ist man allerdings einmal im System des Arztes, laufen die Dinge ziemlich gut. Die Wartezeiten sind relativ kurz und – in meinem Falle – hatte ich großes Mitspracherecht was die Behandlungen und Vorgehensweisen angeht. Das beruhigt dann schon wieder.
Zum guten Schluss muss aber noch gesagt werden: die Ärzte in den USA können – allen widrigen Umständen zum Trotz – Höchstleistungen in Sachen Medizin zustande bringen: Die Krebsforschung und Behandlung ist hier fast unschlagbar und aus der gesamten Welt reisen Patienten an um sich behandeln zu lassen.

Also dann: auf dass wir alle gesund bleiben…

In diesem Sinne alles Liebe

Janine

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2 Kommentare zu “Hauptsache gesund…

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