Ein Empfang, die Qual der (Kleider)wahl und Donald Rumsfeld

Hallo Ihr Lieben,

es ist zwar schon etwas her, aber von unserem ersten offiziellen abendlichen Empfang wollte ich Euch dennoch ein wenig berichten.
Vor ein paar Monaten flatterte bei uns die Einladung zu einem Empfang in der Botschaft eines muslimisch geprägten Landes ein. Da die Babysitterfrage geklärt werden konnte, haben mein Göttergatte und ich gemeinsam zugesagt. Ich freute mich riesig auf den Abend, zumal ich gehört hatte, dass das Essen fantastisch sein soll (ein ganzer gebratener Hammel!).
Nachdem ich also meinen Kleiderschrank auseinandergenommen hatte und mich für ein knielanges Kleid mit dazu passendem Blazer entschieden hatte, konnte es losgehen.
Wir sind davon ausgegangen, dass es „Valet Parking“ gibt, also dass unser Auto durch einen Parkdienst geparkt wird. Dies ist hier oft üblich und wird gerne wahrgenommen, da die Parksituation in der Stadt bisweilen katastrophal ist (das erste Mal dachte ich, die wollen unser Auto klauen!). Kurz bevor wir unser Auto hätten abgeben können – nach einer halben Stunde im Kriechtempo wartend – wurde uns mitgeteilt, dass Valet Parking nun wegen Überfüllung geschlossen sei. Das Chaos war perfekt, die Schlange hinter uns riesig aber wir haben es nach Zentimeterarbeit kurbelnd wieder aus dem Stau herausgeschafft und nicht weit entfernt sogar einen Parkplatz gefunden. Vorher konnte ich aber einen Blick auf die Garderobe der bis dahin eingetroffenen Damen werfen und habe einen halben Herzinfarkt bekommen: Sämtliche Frauen hatten mindestens bodenlange Kleider oder Hosen an. Manche waren auch mit (sehr hübschen) Kopftüchern geschmückt. Ich war am Boden zerstört und wollte wieder nach Hause um mich umzuziehen. Nun waren wir aber da (sogar mit Parkplatz) und mein Mann weigerte sich strikt wieder nach Hause zu fahren. Keine Chance. Mir blieb nichts anderes übrig als zu lächeln und mit erhobenem Haupte in mein persönliches Armageddon zu schreiten. Nachdem wir die Eingangssituation mit Händeschütteln überstanden hatten und uns in den Empfangssaal begeben hatten, konnte ich endlich wieder aufatmen. Es waren doch noch weitere Frauen mit knielangen Kleidern anwesend und es waren nicht wenige. Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Nach ein paar Reden und Ankündigungen wurde das Buffet eröffnet. Ich sage nur: himmlisch! Reis in allen Variationen, der obligatorische ganze Hammel und die Desserts – einfach göttlich. Nur habe ich dort eines gelernt: nimm nichts auf Deinen Teller, was nicht mit einer Gabel essbar ist. Messer gibt es nämlich bei solchen Empfängen keine, und ein großes Stück Fleisch ohne Messer und im Stehen zu essen ist schon eine Herausforderung.
Nach der zweiten Runde am Buffet und ein paar Gesprächen später, sprach meinen Mann und mich ein älterer Herr von hinten an. Ich drehte mich um, sagte irgendwas über die Köstlichkeiten und wunderte mich, warum plötzlich Kameras auf uns gerichtet waren und die Menschen immer mehr zu uns hinströmten. Als wir wieder ein wenig den Rückzug angetreten hatten, raunte mir mein Mann dann plötzlich den Grund ins Ohr: Es war Donald Rumsfeld, ehemaliger Verteidigungsminister der USA, der uns da angesprochen hatte! Und ich- erkenne ihn nicht. Echt typisch…
Aber was soll’s, auch wenn ich ihn nicht erkannt habe – ich habe ein paar Worte mit ihm gewechselt und hatte ansonsten einen schönen Abend. Was will man mehr?!
Aber ich weiß zumindest, dass ich mir bei der nächsten Einladung die Sitten und Traditionen eines Landes doch etwas genauer ansehen werde…

In diesem Sinne alles Liebe

Janine

P.S. Leider habe ich keine Bilder bei dem Empfang gemacht – dafür beim nächsten Bericht wieder mehr!

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2 Kommentare zu “Ein Empfang, die Qual der (Kleider)wahl und Donald Rumsfeld

  1. The only thing that should be surprising is that we continue to be surprised. (Donald Rumsfeld)

    Das war doch eine nette Überraschung… oder? Danke für die lebendige Beschreibung aller Überraschungen, die Dir so begegnen.

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